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Dienstag, 11. Februar 2020

WAS ICH LESE/ Olga Tokarczuk





WAS ICH LESE/ Gesang der Fledermäuse
Ganz im Ernst, ich hörte im letzten Jahr die benannten Oscars der Literatur, die Nobelpreisträger*innen für 2018 und 2019 und dachte:
Peter Handke, toll, fand ich berechtigt und freute mich. Ich habe viel von ihm gelesen. In einer meiner nächsten Buchbesprechungen werde ich von Literatur berichten, deren gemeinsames Thema DIE VERSTORBENE MUTTER ist. Da hat er das wirklich wundervolle Buch WUNSCHLOSES UNGLÜCK geschrieben. Ein Tipp für Handke und nicht Handke Fans, weil er wirklich assoziativ einen Parcours mit für zu seiner Mutter läuft und schreibt.
Gut, aber jetzt sind wir ja grade bei der Bekanntgabe und hören den Namen 
OLGA TOKARCZUK. 
Ich so, mhmhm, wer ist das denn?
Den Namen habe ich noch nie gehört. Internet bemüht und Namen korrekt aufgeschrieben und zack in meine Lieblingsbuchhandlung.
Die so, mhmhm, es gibt derzeit nur ein Buch von ihr bei uns lieferbar auf Deutsch, 
DIE JACOBSBRÜDER. 
Dick prangte er auf dem Tresen neben der Handke Literatur. Ein fetter Schinken für 44 €, wo mich weder Zusammenfassung noch Thema interessierte.
Warte noch, da wird es bald mehr geben, so die Buchhändlerin.
Und dann gab es bald mehr und wir lasen in der Literaturgruppe 
RASTLOS. 
Zur gleichen Zeit lief auf Deutschlandfunk Kultur in der Lesart eine Sendung über Tokarczuk und drei Übersetzer*innen waren per Leitung zugeschaltet. Doreen Daume hatte lange übersetzt und war bei den Jacobs Brüdern ausgestiegen. Sie fand die gesamte Literatur von Tokarzuk zu beliebig in der Assoziation, so zusammengewürfelt und sie fand sie auch sprachlich nicht überzeugend. Mit diesem Urteil ging ich also ran und war froh, es gehört zu haben, denn genauso las sich RASTLOS. Ich schmiss es nach 70 gelesenen Seiten rastlos in eine Ecke und dachte so bei mir, das war’s mit Tokarzuk. Auch in unserer Literaturgruppe wurde sie zwar wertschätzend besprochen, aber bis auf eine Mitstreiterin war keine überzeugt und zur Anhängerin geworden. Ich verschenkte mein Exemplar an die Eine Liebhaberin.
UND DANN KAM DIE WENDE.
In Arte wurde ein Film gezeigt: DIE SPUR, der 2017 den silbernen Bären erhalten hatte und den ich auch kannte. DREHBUCH Olga Turkaczuk,  Regisseurin Agnieszka Holland, nach einer Vorlage von 
Tokarczuk: DER GESANG DER
FLEDERMÄUSE. 
Dieses Buch möchte ich ebenso wie den Film allen ans Herz legen, die es gerne etwas mystisch und auch spannend haben. Verfasst in einer wunderschönen bildhaften Sprache, die auch im Film noch gehalten und übertroffen wurde. Tokarczuk hat das Ende des Films traumhafter verfasst, das literarische Pendant ist eher realistisch aber auch angelehnt an die Träume der Heldin.
Die Handlung:
Die Protagonistin Janina, eine ältere Dame, die sich lebhaft für Astrologie und Lyrik interessiert, insbesondere William Blake, die eine große Natur- und Tierschützerin ist, lebt in einer sehr ländlichen, fast einsam anmutenden Gegend in Polen, nahe der tschechischen Grenze. Sie verehrt die Tschechen.  In ihrer dörflichen Communitie gilt sie als verschroben und etwas spooky.
Sie verleiht den Ereignissen und dem Leben Zusammenhänge, die nicht jede*r teilt. Sie verfasst Pamphlete an die Polizei und setzt sich, wo es irgend geht in Nischenfettnäpfe des Natur- Umwelt und Tierschutzes.
Und sie findet Freunde in unangepassten Mitmenschen, einer halbprostituierten jungen Frau, einem Biologen und einem Nachbarn.
Es geschehen Mordfälle. Nach einer Weile wird auch deutlich, dass Janina Jagdgesellschaften ablehnt und sie die Morde verbal immer in die Nähe der verletzten und bedrohten Tiere bringt.
Das Ende ist berückend logisch, wer sich auf ihre Logik eingelassen hat. Wobei mir das filmische Ende besser gefallen hat, aber sei´s  drum, beide Enden sind spannend.
Ich kann sie Euch ja nicht erzählen, denn dann macht das Lesen keinen Spaß mehr.
Für Berlinerinnen sei geschrieben, dass die meisten Stadtbüchereien sich sehr gut mit Tokarzuk eingedeckt haben, es müssen also nicht 24 € berappt werden für das Buch.

Was hat mir nicht gefallen? Dass ich nicht auf dem Schirm meines Gedächtnisses ihren Namen für den Film mehr hatte. Am Buch und am Film gibt’s nichts auszusetzen, wunderbare und mir schlüssige Arbeiten, beides.

WAS KOMMT: in meiner nächsten Literaturbesprechung werde ich erstmal über
Franziska Hauser:  DIE GEWITTERSCHSCHWIMMERIN
schreiben,
erschienen bei btb vor zwei Monaten als Taschenbuch für 11€



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