Carolyn Gavin Woman with floral dress
Ohne Sorgen
Lebt es mich
freier
das bunte
überraschende
Leben
Ohne Ärger
Freut es mich
Liebevoll
Das lächelnde
Umarmende
Sein
Ein Spielplatz für die magischen Momente im Leben
Ohne Sorgen
Lebt es mich
freier
das bunte
überraschende
Leben
Ohne Ärger
Freut es mich
Liebevoll
Das lächelnde
Umarmende
Sein
Und plötzlich bin ich alt
Alter zeigt sich unvermittelt
Die Falten unterm Hals sind über Nacht gekommen
Oder ich habe sie einfach immer Übersehen
Die Falten in den Achselbeugen zum Rücken hin zeigen sich
Das Dekolte zeigt feine Risse
Die Haut wird insgesamt weicher und unelastischer
Die Hände haben kleine braune Flecken und Wunden heilen nicht mehr selbstverständlich, sondern die Haut zeigt eine andere Farbe
Das Gewicht wird gewichtiger und malt den Leib fülliger
Etwas Gemüt liegt in allem gemütlicher
Die Nerven brauchen länger zur Rekonvaleszenz
Der Schlaf zieht sich zurück
Die Haare gehen mehr aus, auf allem Dunklen zeigen sich die Strähnen
Das Grau setzt sich durch
Nase Ohren Mund die Schleimhaut braucht mehr Feuchtigkeit
Die Adern an Beinen treten mehr hervor
Das Lachen hinterlässt neue Spuren im Gesicht, die Tränen aber auch
Erschöpfung zeigt sich eher im Antlitz
Die Sonne wendet sich mir mehr zu, ich genieße ihre Wärme deutlicher
Ich mag all diese Spuren
Ich mag sie auch an anderen älter gewordenen und neu gewonnen Freundinnen
Wir sind gemeinsam alt geworden und unser Alter beginnt grade
Die Gnade vor der Unvollkommenheit setzt sich durch und ich erlebe dies als Glück
Farbe freut die Seele
Schöne Worte heimeln an
Freundlichkeit wird wichtiger
Trennendes zieht sich zurück
Stimmen brechen manchmal und verzeihen mehr
Die Verpflichtungen sind abhandengekommen und ich frage mich, wie konnte ich die so lange halten
Gerechtigkeit findet in der Nähe statt
Liebe auch, sie umfasst mehr
Krankheiten werden zusammengetragen und mit Lebenserfahrung gepaart
Verstecken war gestern
Heute ist Annahme
Ich liebe Alter
Gelassenheit ruft in vielen Situationen
Gereiztheit springt zuweilen unvermittelt hervor und wird gleich wieder ausgeglichen
Es gibt keine Zeit zu verlieren, jede Begegnung hat die Endlichkeit im Gepäck
In keine Nacht mehr mit trennendem Kummer sondern Versöhnung umgehend
Die eigenen Schatten kennen wiedererkennen und raus in die Sonne
Schlafen Aufwachen welch Glück
Aufstehen Bewegen welch Wohltat
Morgen für Morgen Neues Alter
S- Bahnhof Zoologischer Garten, kurz nach dem Streik. eine Ansage über Mikrofon:
„also jetzt sollte der Zug nach Spandau einfahren.“
Pause…
„wo der jetzt abgeblieben ist, wees icke och nich!“
Gelächter auf dem Bahnsteig.
„ja Mensch sie lachen, aber ick blicke hier nich mehr durch.“
Noch mehr Gelächter.
„blickt in Berlin überhaupt noch jemand durch??????????“
Einhellig, wie auf Kommando im Kasperletheater vom Bahnsteig:“NÖÖÖÖ“
Eine verzagte Stimme im Hintergrund: „Herta hat verloren“
Die Stimme über Mikrofon: „das habe ich gehört und das ist nun wirklich keene Überraschung!“
Wieder die verzagte Stimme: „was erwarten sie eigentlich von uns. wir haben nicht einmal eine ordentliche Regierung. Nur eine, die die Tassen in den Schränken zählen wollte!“
Großes Gelächter all überall.
Ein Zug fährt ein. Nach wie vor eine irritierte Stimme über Mikrofon:
„das ist nicht der Zug nach Spandau.“aber ich weess och nich welcha Zug das jetzt ist. Kollege Zugführer, wohin fährst du?“
Der Zugführer steigt aus.
„sag du es mir, ich blicke nicht durch.“
Nach dem Streik ist vor dem Streik…
Wonderstory
Ganz klein nur
Aber umso wirkungsvoller
Ganz nach dem Motto: Nicht müde werden,
sondern dem Wunder
leise wie ein Vogel
die Hand hinhalten
(Hilde Domin)
Ich ging heute Morgen eine kleine Runde.
Da blinkte auf dem Straßenpflaster ein kupfernes Centstück.
Ich bin Typ Frau: Wer den Pfennig nicht ehrt
Ist des Talers nicht wert
Ich weiß, das ist komplett daneben. Ich hab diesen Satz 6 Jahre lang an jedem Schultag über der Klassentafel gelesen. Ich kann den rückwärts hersagen. Genauso wie ich mich an Namen Begriffe Songs erinnern kann, die mir niemals zugeordnet würden von den Menschen, die mich heute kennen.
Aber heute dachte ich: Nee, ich hebe keine Centstücke mehr auf. Ich wünsche mir mehr, mehr als einen Cent, mehr als solche Sprüche, mehr, einfach was anderes.
Ich ging keine 50 Meter weiter, da kam mir ein etwas ausgeflippter hübscher junger Mann entgegen. Kajal um die Augen, etwas übernächtigt, aber feminin männlich schön. In der rechten Hand eine Tafel Schokolade und in der linken eine Tüte mit Frühstücksbrötchen. Er lächelte mich freundlich an, hielt mir die schon aufgebrochene Schokolade hin und lud mich ein, etwas davon zu nehmen. Ich war hell begeistert. Es war diese Vollmilchschokolade, wenn du diesen Schmelz der vollen Milch abgelutscht hast, dann erscheint genau darunter ein Nougatkern. Das ist eine Schokoladenconfiserieexplosion vom Feinsten. Ich brach mir eine Ecke ab. Ich lächelte ihn an. Danke. Nimm noch mehr, waren seine Worte. Ich brach mir noch ein Stück ab und wir verließen einander lächelnd und lebensfroh. Schokoladenbegeisterte.
Das brauchte ich, so eine bezaubernde Begegnung, so eine zarte Attitüde, so einen Geschmack.
Wer auch immer für diese Wunscherfüllung am Ende zuständig war, der junge Mann ja auf jeden Fall und ich irgendwie auch, aber an den Rest der Wunscherfüllungsrunde DANKE.