DU BIST BERLIN
Schwimmbad, Sammelumkleide. Ich lausche unfreiwillig in meiner Umkleide diesen zwei Stimmen.
„Haste des mitjekrigt, mit dem Kanzler, dies janze Geiejere und der mit seinem Wohngeld und nischt kriegt der uff der Reihe?“
„Ach hör mir doch auf damit. Sone Typen jehn nich weg und ick hab den nich jewählt.“
„Ick finde, die sollten da jetzt mal jemanden hinsetzen, der Ahnung hat von Kinder kriegen, arbeiten gehen, Eheleben aufrechterhalten, kochen, Freizeit organisieren, einkaufen, Spaß haben, Kindergartenplätze und Schule unter einen Hut bringen, Eltern pflegen, Schwulsein aushalten und beschützen…
Pause Stille
„eigentlich ne Frau, oda?“
„Aba jenau so.“
„Wieso brauchen wir die eigentlich, die Ämter?“
„Na da fragst du aber die richtige. Vielleicht so: Die Bundeskanzlerin sagt wo es langgeht und die Bundespräsidentin wäre das Gewissen, das Überich der Nation? Die Korrektur im Getriebe?“
„Und wieso wählen wir die nicht direkt? Also sowohl Bundeskanzlerin als auch Bundespräsidentin?“
Mensch, denke ich in meiner Umkleide, lauter gute Fragen…
„Warum machen wir das eigentlich nicht?“
„Weil uns keiner fragt. Uns fragt ja nie jemand!“
„Na willste denn gefragt werden?“
„Um Gotte Willen. Das ist dann keine Runde auf dem Karussell, das ist der Fahrstuhl zum Schafott.“
Ich grinse vor mich hin.
Später beim Föhnen im Gang sehe ich die Beiden. Zwei Mittzwanzigerinnen, eine schwanger, die andere nicht, auf den zweiten Blick Zwillinge. Na, diss wärs doch…
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