magisches leben

ein spielplatz für die magischen momente im leben

Montag, 17. Februar 2020

LYRIKSTERNE 8. Wochen Morgentanz




 LYRIKSTERNE 8. Woche

Vor dem Morgengrauen
Reißt der Himmel auf
Lockt den Sonnenball
Verführt dunkelrote Wolken
Lila Schlieren decken alles auf
Mein Morgentanz
Im Weltenklang



Dienstag, 11. Februar 2020

WAS ICH LESE/ Olga Tokarczuk





WAS ICH LESE/ Gesang der Fledermäuse
Ganz im Ernst, ich hörte im letzten Jahr die benannten Oscars der Literatur, die Nobelpreisträger*innen für 2018 und 2019 und dachte:
Peter Handke, toll, fand ich berechtigt und freute mich. Ich habe viel von ihm gelesen. In einer meiner nächsten Buchbesprechungen werde ich von Literatur berichten, deren gemeinsames Thema DIE VERSTORBENE MUTTER ist. Da hat er das wirklich wundervolle Buch WUNSCHLOSES UNGLÜCK geschrieben. Ein Tipp für Handke und nicht Handke Fans, weil er wirklich assoziativ einen Parcours mit für zu seiner Mutter läuft und schreibt.
Gut, aber jetzt sind wir ja grade bei der Bekanntgabe und hören den Namen 
OLGA TOKARCZUK. 
Ich so, mhmhm, wer ist das denn?
Den Namen habe ich noch nie gehört. Internet bemüht und Namen korrekt aufgeschrieben und zack in meine Lieblingsbuchhandlung.
Die so, mhmhm, es gibt derzeit nur ein Buch von ihr bei uns lieferbar auf Deutsch, 
DIE JACOBSBRÜDER. 
Dick prangte er auf dem Tresen neben der Handke Literatur. Ein fetter Schinken für 44 €, wo mich weder Zusammenfassung noch Thema interessierte.
Warte noch, da wird es bald mehr geben, so die Buchhändlerin.
Und dann gab es bald mehr und wir lasen in der Literaturgruppe 
RASTLOS. 
Zur gleichen Zeit lief auf Deutschlandfunk Kultur in der Lesart eine Sendung über Tokarczuk und drei Übersetzer*innen waren per Leitung zugeschaltet. Doreen Daume hatte lange übersetzt und war bei den Jacobs Brüdern ausgestiegen. Sie fand die gesamte Literatur von Tokarzuk zu beliebig in der Assoziation, so zusammengewürfelt und sie fand sie auch sprachlich nicht überzeugend. Mit diesem Urteil ging ich also ran und war froh, es gehört zu haben, denn genauso las sich RASTLOS. Ich schmiss es nach 70 gelesenen Seiten rastlos in eine Ecke und dachte so bei mir, das war’s mit Tokarzuk. Auch in unserer Literaturgruppe wurde sie zwar wertschätzend besprochen, aber bis auf eine Mitstreiterin war keine überzeugt und zur Anhängerin geworden. Ich verschenkte mein Exemplar an die Eine Liebhaberin.
UND DANN KAM DIE WENDE.
In Arte wurde ein Film gezeigt: DIE SPUR, der 2017 den silbernen Bären erhalten hatte und den ich auch kannte. DREHBUCH Olga Turkaczuk,  Regisseurin Agnieszka Holland, nach einer Vorlage von 
Tokarczuk: DER GESANG DER
FLEDERMÄUSE. 
Dieses Buch möchte ich ebenso wie den Film allen ans Herz legen, die es gerne etwas mystisch und auch spannend haben. Verfasst in einer wunderschönen bildhaften Sprache, die auch im Film noch gehalten und übertroffen wurde. Tokarczuk hat das Ende des Films traumhafter verfasst, das literarische Pendant ist eher realistisch aber auch angelehnt an die Träume der Heldin.
Die Handlung:
Die Protagonistin Janina, eine ältere Dame, die sich lebhaft für Astrologie und Lyrik interessiert, insbesondere William Blake, die eine große Natur- und Tierschützerin ist, lebt in einer sehr ländlichen, fast einsam anmutenden Gegend in Polen, nahe der tschechischen Grenze. Sie verehrt die Tschechen.  In ihrer dörflichen Communitie gilt sie als verschroben und etwas spooky.
Sie verleiht den Ereignissen und dem Leben Zusammenhänge, die nicht jede*r teilt. Sie verfasst Pamphlete an die Polizei und setzt sich, wo es irgend geht in Nischenfettnäpfe des Natur- Umwelt und Tierschutzes.
Und sie findet Freunde in unangepassten Mitmenschen, einer halbprostituierten jungen Frau, einem Biologen und einem Nachbarn.
Es geschehen Mordfälle. Nach einer Weile wird auch deutlich, dass Janina Jagdgesellschaften ablehnt und sie die Morde verbal immer in die Nähe der verletzten und bedrohten Tiere bringt.
Das Ende ist berückend logisch, wer sich auf ihre Logik eingelassen hat. Wobei mir das filmische Ende besser gefallen hat, aber sei´s  drum, beide Enden sind spannend.
Ich kann sie Euch ja nicht erzählen, denn dann macht das Lesen keinen Spaß mehr.
Für Berlinerinnen sei geschrieben, dass die meisten Stadtbüchereien sich sehr gut mit Tokarzuk eingedeckt haben, es müssen also nicht 24 € berappt werden für das Buch.

Was hat mir nicht gefallen? Dass ich nicht auf dem Schirm meines Gedächtnisses ihren Namen für den Film mehr hatte. Am Buch und am Film gibt’s nichts auszusetzen, wunderbare und mir schlüssige Arbeiten, beides.

WAS KOMMT: in meiner nächsten Literaturbesprechung werde ich erstmal über
Franziska Hauser:  DIE GEWITTERSCHSCHWIMMERIN
schreiben,
erschienen bei btb vor zwei Monaten als Taschenbuch für 11€



Sonntag, 9. Februar 2020

LYRIKSTERNE 7.Woche Morgenstund





Morgenstund

Niemand ißt mir was weg
Niemand zeigt andere Wünsche
Dabei ist für jede was dabei
Ich kaufe immer noch
Sofort die ersten Erdbeeren
Und viel zu viele
Damals schon zu viele
Weil Du die immer wolltest
Und in diesem Jahr sind sie besonders süss/Alicante
Du erinnerst Dich nicht mehr
Ich erinnere mich von Jahr zu Jahr mehr
Ich habe jetzt EIN ENDE gefunden
Für DICH MITZUESSEN
Es war erfüllend
2 Jahre lang 6 Monate 9 Tage
Seitdem Du die Welten gewechselt hast
Es war schön
Dass Du mir fast alle Erdbeeren weggefuttert hast
Und ich sie Dir immer überraschen holen konnte
Das Leben war bunter mit Dir
Jetzt suche ich meine Vorteile
Mal sehen was ich finde
Mein Hunger ist kleiner geworden

Aber Geburtstag ohne DICH
IST ECHT SCHEISSE
 


Mittwoch, 5. Februar 2020

WONDERSTORIES Glaubensfragen




WONDERSTORIES Glaubensfragen
Anfang Februar bemerkte ich, dass ich nicht nur zwanzigjähriges Arbeitsjubiläum bei meiner Arbeitgeberin hatte, sondern dass ich überhaupt seit 45 Jahren berufstätig bin. Ich habe immer mein eigenes Geld verdient und wollte das auch nicht anders. Ich bin viele Berufe und Ausbildungen durchwandelt aber begonnen hat alles damit, dass ich noch als Schulgängerin immer am Wochenende in einem katholischen Krankenhaus in Wilmersdorf als Stationshilfe arbeitete und mein eigenes Taschengeld verdiente. Ich hatte dann 200 DM und das war unendlich viel Geld. Es war ein schönes Arbeiten dort. Alle, auch die Ärztinnen waren Nonnen, alle Arbeitsbereiche wurden von Nonnen geleitet und angeleitet. Sie hatten einen eigenen Betriebshof mit Gärtnerei und Tieren, sie schlachteten eigenständig, sie kochten alle Essen selber und das Essen war ein Gedicht. Wir durften dort alle mitessen und auf den Stationen wurde auch gefrühstückt mit dem ganzen Diensthabenden Personal…nur Frauen…ich liebte das. Ich bin dort in dem Haus geboren. Zu diesem Zeitpunkt war ich aus der Kirche ausgetreten und war offiziell per Lohnsteuerkarte konfessionslos.
Als ich mich bei der Oberin bewarb, war dies ein wirklich spannendes Gespräch. Sie erwähnte nebenbei, dass sie es ja bemerkenswert fände, dass ich mich ohne Kirchenzugehörigkeit nun grade auch noch in einem katholischen Haus bewarb. WARUM?
Ich erzählte ihr, dass ich die katholische Christenlehre in der Schule immer interessanter fand und dass ich wegen Ungereimtheiten bzw. auch unchristlicher Beteiligung beider Kirchen während des zweiten Weltkrieges  und der Judenverfolgung aus der Kirche ausgetreten sei. Aber dass ich mich immer noch mit Glaubensfragen beschäftigen würde und dass Gott vermutlich nicht so viel damit zu tun habe. Sie fragte mich nach der Literatur, die ich so las und war insgesamt aufgeschlossen. Sie fand mich charakterstark in meinen Entscheidungen, so nannte sie das und ihr gefiel es, dass ich auch ehrlich sagte, dass ich keine Nonnenschaft in Erwägung zöge. Ich wollte nur Geld mit was Sozialem verdienen und mal in den Beruf der Krankenpflege reinschnuppern. Gut, sagte sie, da verbinden sie das Nützliche mit dem Praktischen und Gott ist hier Zuhause, wenn sie ihn suchen, können sie ihn ab und an bestimmt antreffen, aber wie, das entscheiden sie. Sie können uns alle jederzeit darauf ansprechen, aber wir erwarten es nicht. Wir wünschen uns nur, dass sie sich sozial und christlich verhalten, alle Patienten/innen und Kolleginnen gleich behandeln und bei Glaubensfragen der Patienten/innen unsere Seelsorgerin dazu holen. Ich durfte Hosen anziehen, musste mich nicht verstellen und es war möglich mich satt zu essen, ohne der Völlerei bezichtigt zu werden.
Ich kam auf eine chirurgische Station und zu einer Oberschwester, die einen köstlichen Humor besaß. Sie führte mit mir jede Diskussion, die ich anleierte und ich diskutierte für mein Leben gern. Sie auch. Manchmal wurde sie es etwas zickig, aber nur, wenn männliche Besucher oder Patienten ihre Kompetenz anzweifelten. Da war sie gnadenlos sachlich und fast arrogant. Ich mochte das. Da durfte ich allerding nicht Nachfragen stellen.
Nach vier Jahren verließ ich dann das Haus und begann meine beruflichen Ausbildungen. Sie verabschiedete mich unter anderem mit dem Satz, dass ich bitte nie meine Zweifel verlieren sollte in Bezug auf den Glauben, das Leben hätte nämlich viele Überraschungen für jede von uns parat, und wir sollten immer neugierig bleiben. Glaubensfragen sind immer Fragen nach dem Leben. Bei ihr hatte ich gelernt, dass Ambivalenz das Kerngeschäft des Lebens ist und dass Jesus an Kreuz zu nageln eine Abwehr der eigenen Schatten bedeutet. Zwanzig Jahre später saß ich im Psychologiestudium und eine Professorin sagte fast die gleichen Worte. Ich hatte längst begriffen, dass ich auf dem richtigen Weg war, wenn Déjà-vu und Gleichklang mir begegneten. In diese Zeit fiel dann auch die Begegnung, um die es in dieser Geschichte gehen sollte.
Ich arbeitete neben dem Studium halbtags für die evangelische Kirche als Krankenseelsorgerin auf einer Palliativstation und einer Geriatrie. Ich arbeitete mit Pfarreien und Besuchsdiensten zusammen. Eines Tages kam die katholische Gemeinde auf mich zu und fragte nach, ob ich eine Besuchsdienstgruppe ihrer Gemeinde bei ihrer Arbeit unterstützen könnte und ob es in unserem Haus einen Bedarf gäbe. Der Bedarf war natürlich da und mir und der Chefärztin des Krankenhauses  waren nur wichtig, dass es eine offene Seelsorgearbeit sein sollte. Dies galt es also in einem Kennenlern Treffen zu erörtern.
Als die fünf Frauen, alle weit über 50 Jahre und älter zu dem ersten Treffen kamen, stutzte ich bei einer der Personen, aber nur so einen Moment lang, und gleich war es wieder vorbei.  Als wir uns eine Weile unterhielten und jede so ihre persönlichen Beweggründe offenbarte, stutzte ich wieder. Es war die Stimme, es war so eine Heiterkeit in den Augen, aber ich wusste sicher, dass ich die Frau nicht kannte und doch war sie mir vertraut. Sie war mit 65 Jahren die älteste und hatte auch einen gewissen Führungsstil innerhalb der Gruppe, den alle auch respektvoll begegneten, nicht sich unter sondern eher beiordneten. Damit war auch mir klar, dass sie gut unabhängig von mir arbeiten könnten und mein Büro selbständig mitbenutzen würden. Eine Zusammenarbeit in den Gottesdiensten konnten sie sich auch aktiv vorstellen, so dass es tatsächlich auch für mich eine Entlastung gab. Alle waren sympathisch und kompetent.
Ganz zum Ende hin, sprach mich die Frau an. Ich kannte nicht einmal ihren Namen.
Sehen sie, das Leben hat auch für mich immer wieder Überraschungen parat und ich habe den Zweifel zwar nicht ganz behoben, aber ich bin ruhiger geworden. Sie erkennen mich und doch wieder nicht. Ich habe sie sofort erkannt, schon als ich ihren Namen las, wusste ich, wenn die göttliche Fügung die wäre, die ich erahnte, würden wir hier bei ihnen genau richtig sein.
Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen, sie war meine alte Ordensschwester, die meine erste Oberschwester war. Nur ohne die Ordenstracht.  Und wo bitte schön hatte sie die gelassen. Ich hatte sie nie ohne verhüllten Kopf gesehen, sie hatte plötzlich eine Frisur und war eine weltliche Frau. Ich fiel wirklich aus allen Wolken.
Die Geschichte war einfach. Sie hatte eine sehr viel jüngere Schwester, die mit 40 Jahren an Krebs verstarb und drei minderjährige Töchter ohne Vater hinterließ, der war schon zuvor bei einem Unfall gestorben. Für sie war völlig klar, dass sie die Kinder mehr brauchten als die Kirche und ihre Glaubensschwestern. Sie versprach ihrer Schwester auf dem Sterbebett sich zu kümmern. Und so lebte sie mit ihnen zusammen in einem Haus am Rande der Stadt. Hatte sie nicht Mühe damit, in dieser Welt zurechtzukommen? Sie grinste. Ein Krankenhaus in einer Stadt wie Berlin miteinander zu führen IST DIE WELT. Kinder auf den Stationen WAREN DIE WELT. Und über dieser Welt gab es den einen HIMMEL mit vielleicht der einen oder anderen  Unterstützung.
Wir wurden gute Freundinnen, ihre Kinder sind erwachsen und sie verstarb vor drei Jahren im Schlaf und hinterließ einen großen Frieden. Ich bin glücklich, ihr begegnet zu sein.