Samstag, 12. September 2026

WONDERSTORIES Ich hatte einmal eine Katze









Ich hatte einmal eine Katze

 

Was habe ich mir denn dabei gedacht! Als siebzigjährige alte Fotokartons hervorholen und hoffen, den ganzen Plunder einmal zu entsorgen. Was dabei herauskommt? Ganz einfach, ich erkenne schon in meiner vergangenen Jugend das Muster wieder, von Wundern schon immer begleitet gewesen zu sein und finde die Fotos meiner zauberhaften Katzen. Und am Ende hänge ich sie mir über meinen Arbeitstisch. Dabei wollte ich alle Fotos entsorgen…

 

Ich hatte einmal eine Katze und die Geschichte geht so:

Ich wollte niemals Haustiere haben.

Die würden mich binden und mir die Haare vom Kopf fressen. Außerdem fand ich es unmenschlich, dass sie immer in einer Wohnung leben müssten und niemals raus könnten. So in etwa erinnere ich vage meine Haltung.

 

Dann eines Tages flanierte ich ziellos durch Charlottenburg. Ich kam aus dem Schwimmbad und hatte mir in der Deutschen Oper eine Karte für eine Ballettveranstaltung gekauft. So schlenderte ich durch die Zillestrasse und begegnete an der Richard-Wagner-Straße einer Katze. BOW, war die groß. Unheimlich groß. Ob sie ein fetter Kater oder eine trächtige Katze war, konnte ich nicht ausmachen. Aber sie war ungemein zutraulich. Stellte sich mir in den Weg, maunzte und quatschte in einer Tour auf mich ein. Dabei musterte sie mich zutraulich. Ich ging auf ihr Gesprächsangebot ein und ehe ich mich versah, drehte sie sich weiter vor sich hin maunzend von mir ab und stellte sich in den Eingangsbereich eines Ladens. Mir schien es, sie gehörte dort hin und war es als Straßengängerin gewohnt, dass Menschen dort klingelten und sie auf diese Weise in die Wohnung käme. Damals war es üblich, leerstehende Läden zu beziehen und diese großartig in Wohnungen auszubauen. Ich fand eine Klingel, aber niemand öffnete. Das merkte auch die Katze, drehte sich zu mir und verließ den Eingangsbereich. Sie trottete vertrauensselig neben mir her. Nee, dachte ich, nicht mit mir, und ich fühlte aber auch eine große Faszination ihr gegenüber, ich mochte es, wie sie neben mir herlief, als würden wir das schon seit Jahr und Tag so miteinander tun. Nachdem wir also so eine ganze Weile liefen und wir uns einer großen Verkehrsstraße näherten, wusste ich, jetzt würde sich entweder alles verändern oder ich müßte wegrennen.

 

OK, ich sprach laut und deutlich zu ihr, wenn Du mit mir darüber läufst, dann verlässt Du definitiv Deinen üblichen Katzenradius und dann hast Du hier kein Zuhause. Dann nehme ich Dich mit. Sie schaute mich an, zuversichtlicher als ich mich fühlte, ging mir voran über den leeren Bahndamm und ich war gefangen, auf wundersame Weise gebunden, in aller Freiheit auf Augenhöhe mit diesem Brocken, an einem Sonntagmorgen in Westberlin im Reich der Katzenmütter. Ich beugte mich zu ihr runter und sie ließ sich bereitwillig auf den Arm nehmen. Sie wog schwer und ich hätte sie niemals mit der U-Bahn ohne Band oder Korb transportieren können. Ich hielt nach einem Taxi Ausschau, als plötzlich ein VW Bus neben mir stoppte. Eine junge Frau sprang aus dem Auto, lief auf uns beide zu und fragte mich, ob ich bzw. Wir Hilfe bräuchten. Ich erklärte ihr kurz die Geschichte, als sie begann ohne Punkt und Komme zu erklären, dass dies eine ältere Katze wäre, völlig überfressen, typisch für Straßen Katzen in Berlin.

„Die sucht ein Zuhause. Du bist ihr neues Zuhause. Sie wird Dich mit Fressen abzocken ohne Ende, aber sie wird unheimlich treu sein.“

 Sie strahlte übers ganze Gesicht. Sie entpuppte sich als Medizinstudentin, die einen Job im Veterinärdienst des Bezirks innehatte und mir sofort zusagte, dass sie die Katze, wenn ich sie dann nähme, kostenlos versorgen würden mit Impfungen und Untersuchungen.

„Willst Du sie nicht vielleicht lieber nehmen?“ Das war mein allerletzter Versuch, dies kleine große Ungeheuer loszuwerden.

„Nee, die will zu Dir, und ich habe schon genug Asylanten der Tierwelt bei mir.“

Kurzerhand brachte sie uns zu mir Nachhause und auf dem Weg dahin, erklärte sie mir erstmal so einiges, was ich als zukünftige Katzenbesitzerin alles bräuchte. In ihrem Kofferraum hatte sie eine Notversorgungstasche dabei. Katzensand, Futter, Medizintasche.

Bei mir Zuhause fanden wir fürs erste eine Schüssel und darin streuten wir Sand. Die Katze stromerte durch meine Wohnung, nur ein wenig scheu. Sie ging sofort auf die Katzenschüssel und dann schnurstracks auf einen Obstkorb zu und biss heftig in einen Apfel.

Die Tiermedizinerin lachte aus vollem Hals.

„OK, die frisst alles, das ist sie gewohnt.“

Sie nahm den Katzenkopf in ihre Hände, öffnete vorsichtig das Mäulchen und vermutete, dass die Katz schon älter wäre, vielleicht vier fünf Jahre. Sie wehrte sich gegen nichts.

„Wenn Du ins Institut kommst, müssen wir die Zähne behandeln und ihren Pelz, sie sieht etwas räudig aus. Außerdem muss sie grundversorgt werden. Los, wir fahren jetzt noch hin und dann beginnt Ihr Euer neues Leben miteinander, ohne Läuse ohne Räude.“
Sie und die Katze schauten sich so um und ich merkte, dass beide austarierten, wie die Gegebenheiten hier waren. Es schien bestens bestellt. Große Wohnung, inmitten eines grünen Hofes, es gab genug andere Katzen.

Mathilde wollte nie mehr raus. Sie hätte gehen können. Sie blieb. Sie fraß nach einer ganzen Weile fast nur noch, was wirklich ihr fressen war. Aber ich konnte sie wie einen Esel mit Früchten füttern, bis zum Schluss. Wenn ich Ferien in Dänemark machte, kam sie mit und dort lebte sie wie ein Dragonerin ein wildes Leben und kam immer wieder zurück. Sie brachte Mäuse und fing Schmetterling, die Vögel blieben unerreichbar, weil sie eine Glocke um den Hals trug.

Später kam noch Amanda dazu, eine falben farbige Tempelkatze. Sie vertrugen sich famos und waren somit beide nie alleine. Außer Amanda ging auf Trebe, denn die ging raus und trieb sich gerne rum. Dann saß Mathilde stundenlang am Fenster und atmete manchmal tiefer als sonst. Mit kleinen Sehnsuchtsseufzern, fast unmerklich.

 

Mathilde blieb 25 Jahre lang, dann starb sie an Nierenversage und ich ließ sie einschläfern, auf meinen Armen, die sie 25 Jahre zuvor Nachhause brachten. Die Kinder der Nachbarschaft und ich beerdigte sie in dem Garten im Hinterhaus, den sie nie betreten hat. An einem Sonnenplätzchen unter einem Kirschbaum. Den Platz hatten die Kinder schon herausgesucht. Alle Katzen der Nachbarschaft lagen da schon. Die Ärztin hatte empfohlen, Amanda, also der übriggebliebenen Katze, einmal den toten Körper zu zeigen, damit sie verstand, wo Mathilde abgeblieben war. Sie sah Mathilde und stieß einmal einen ganz scharfen Laut aus, drehte sich um und verschwand.

Ihrer beider Lieblingsfressen wurden Hühnerbeine vom Wienerwald und Nordseekrabben von Rogacki. Beides gibt es nicht mehr. Aber es bleibt die Erinnerung an Festgelage mit meiner Freundin und beiden Katzen im Bett mit Hühnerbeinen und friedlich schnurrenden Katzen an Sonntagnachmittagen.

 

Amanda blieb noch drei Jahre lang bei mir. Sie entwickelte ein enormes Selbstbewusstsein in ihrer neuen Rolle als Chefin im Salon.

Ich habe mir die Fotos für eine Weile erstmal hingehängt.

Mathilde habe ich sogar mal in einem gemalten Bild verewigt.

 

 

 

Mittwoch, 26. August 2026

Die Farben des Spätsommer













Sonnengelb

Orangegelb

Feuerrot

Hellgrün

Himmelblau

Unter allem Sienna Brauner Boden

Aus dem alles wächst

Geranien in allen Facetten, am liebsten lachsfarben

Fliederfarbene Petunien

Rosefarbener Oleander

Ich genieße bis in die Novembertage hinein meinen Balkon und erinnere wie Frederic die Maus all diese Farben

Montag, 24. August 2026

Zuspruch



 Das gehört einfach mal gesagt!

Vor meinem LIEBLINGS CAFÉ, dem Café Eule, steht eine große Tafel, darauf steht in farbenfroher Kreide geschrieben:

SIE SEHEN TOLL AUS!

Ich finde sowas toll! 

Beim ersten Mal, als ich das unvermittelt las, wurde mir froh.

Altersunabhängig und auch unabhängig von Herkunft und sonstigen Kategorien stehe ich ohnehin auf Würdigung und positive Ansprachen. Oft braucht es ja nicht einmal Worte, sondern einfach nur einen freundlichen direkten Blick, sowas wie: ich sehe DICH!

Eine Gegenüber wahrnehmen, anschauen, vielleicht ein Lächeln. Wenn andere das mit mir machen, this made my day.

Es kostet nichts! Macht glücklich. Verhindert Kriege! So geht Liebe. Liebe ist in uns. Von Natur aus. Davon bin ich überzeugt.

Habt liebevolle Begegnungen!


Samstag, 22. August 2026

Was für ein Licht



was 
liebe ich dieses Spätsommerlicht
es schmeichelt den Blättern 
taucht die Füße in gold
zwischen dem herbstlich duftendem Laub
noch kannst Du  barfuss über die Wiese schreiten
das ist das besondere an diesem Licht
es lässt mich noch einmal vergessen
dass es die Herbstsonne sein könnte 
aber Stop
noch halte ich morgens mein Gesicht 
in die wärmenden Sonnenstrahlen
und die Herbstastern lächeln milde
ihre Blüten ruhen leise
nur eine leuchtet aufgeblüht hell Lila





Montag, 20. Juli 2026

Mein luftiger Juli/Berlin ist einfach klasse


 

Eine Überraschung am Abend, ein großer Strauss wilder Sonnenblumen von einer Landpartie geklaut und dann bei mir vorbeigebracht

Schöööööön

Die ganze Wohnung duftete nach Feld

Für mich ist dieser Sommer wie ein großer Blumenstrauss

Überall Wärme hier

Grosse Eisbecher

Eiscafes 

Eiswasser in rauhe Mengen 

kleine Wasserfontänen in Emailleschüsseln auf Terrassen und Balkonen

durstige Kleinvögel

freche Eichhörnchen

eine Füchsin auf dem Hof, auch immer sehr durstig an den ausgestellten Wassertränken

die Nachbarinnen und Nachbarn auf der Strasse und auf dem Spielplatz gegenüber mit Picknick am Abend

Schwimmen gehen in kleinen Berliner Waldseen 

Wer sich über die Wärme beschwert, Leute wirklich, der nächste Winter kommt bestimmt... Sommer sind eben warm und in meiner Kindheit gab es auch 30 Grad und mehr und wir sind damals sogar freiwillig nach Italien und Griechenland gereist und da wars wirklich wärmer als bei uns hier

Und bei über 35 Grad ist es durchaus empfehlenswert, mal nach den Älteren im Haus zu schauen, dachte ich auch so und vergesse immer, dass ich selber auch schon alt bin

Erst kürzlich hier geschehen: Ein junger Mann, Lehrling als Schornsteinfeger, den kenne ich noch als kleines Kind, steht plötzlich vor meiner Tür, mit einer Packung Vanilleeis, Frau Braun, ich wollte nur mal nach Ihnen sehen und fragen, ob sie mit der Hitze gut klarkommen? Ich war ganz erstaunt und auch erfreut. Wir müssen uns so ein bisschen um die Älteren im Haus kümmer, sein Einwand. Sie haben uns früher drüben den Fussballplatz von den Zuhältern freigeschaufelt und jetzt sehen wir eben nach ihnen.

Tja, da sage mal eine, wir BerlinerInnen wären kaltschnäuzig. Nee, wir kümmern uns. Und sind aufmerksam und freundlich.

Wir haben dann zusammen auf dem Balkon Kaffee getrunken und ich konnnte ihn endlich mal zu seiner Berufswahl befragen. Eine ungewöhnliche Berliner Familie. Eltern beide christlich geprägte BerlinerIn, haben ihre Söhne in freier Wahl auf die Jüdische Grundschule eingeschult, beide haben Balettunterricht besucht, beide tanzen heute noch mit großer Leidenschaft und sind Automechaniker und jetzt in zweiter Generation Schornsteinfeger geworden. Alle Kinder Abitur ohne Wunsch zu studieren, einfach, weil sie gerne noch mehr lernen wollten. Der Großvater vom Schornsteinfeger und Vater vom Automachaniker geht mit seinen Jungs untergehakt durch die Strasse, sie umarmen sich am Feierabend und gehen insgesamt so warmherzig miteinander um. Das ist eben auch Berliner Lebenskultur. Nur mal so nebenbei. Als ich die Großmutter beider mal fragte, wie es dazu kommen konnte, dass sie sich für die Jüdische Schule und für den Balettunterricht für ihre Jungs hat einnehmen lassen, sagte sie ganz ruhig und gelassen:

Jungs sollen sich schön bewegen und beide hatten so eine Lust daran. Das reichte mir. Beide Kinder wollten auf die Jüdische Schule, weil sie von uns viel über die Judenvernichtung und das dritte Reich erfahren haben. Unsere Familie hatte immer private Kontakte in diese Kreise, beruflich und persönlich. Mein Vater hat sich damals eingemischt und ist erschossen worden. Einfach, weil er gefragt und sich eingesetzt hat. Seitdem weiß ich, dass wir uns immer schon im Vorhinein und für immer einmischen und das Jüdische kennen sollen. Wir sind mit den Jungs auch ab und zu in die Synagoge gegangen.Und die Stolpersteine vor unseren Hauseingängen putzen wir gemeinsam regelmäßig. Ihr Name ist ja auch dabei...sie schaute mich fragend an. Genau vor meinem Haus gabs von Anfang an Stolpersteine von drei Personen mit meinem Familiennamen. Nein, sage ich, ich habe auch schon nachgeforscht, aber es ist nicht unser Familienstrang. Aber deren Steine poliere ich trotzdem im Winter, das war mir ein Anliegen. Und da lachte sie...wir dachten es uns schon...dass sie die putzen...

Wir sind hier eine ganz gute Nachbarschaft. Und das ist eben auch Teil meines luftigen Juli. Lasst Euch den Sommer schmecken. 

Und wo immer Ihr lebt, denkt an die Demokratie und auch ans Patriachat, kümmert Euch darum, ist auch so eine wichtige Gemengelage...aber wenn alle mittun wirds luftig...bestimmt... 

 







Mittwoch, 15. Juli 2026

Ausprobiert

Alles probieren
Fröhliche Lieder dabei Summen
Ans gute Gelingen glauben
Beten Hoffen
GELUNGEN

Die war der erste Versuch vom Tablet
Geht doch





Mein luftiger Juli

 


 

"Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug" (Zitat nach Hilde Domin)

 

Das dachte ich auch

und wollte den Juli zum luftigen Monat mit

gelben Notaten versehen

hier bearbeiten

 

Dann verlor ich

mein Handy

meine Daten

meine Bilder

 

aber vielleicht

ist eben auch dies

eine luftige Note

im Sommer

 

Nun kommt

bald ein neues handy

auch ein Notebook

drängelt sich hier ein

 

So langsam kommt

der frische Wind zurück

vielleicht auch 

alle Daten

 

6 Tage ohne Zugang

in die Digitale luftige Welt

Detox nennen es die einen

Unachtsamkeit nenne ich es

 

Hier gibts bald wieder mehr

und dann wird das LUFTIGE

eben achtsam erweitert

Bis bald