Schönheiten im Alltag

Schönheiten im Alltag

Montag, 19. Februar 2018

SONNTAG IN BERLIN gefrorener Lietzensee

Perspektivwechsel
nicht nur das Eis bricht hier auf
auch die Natur bläst zum halali
der Bambus pudert sich auf
zart stechend ragen rote Vogelbeereb
in die Blickwinkel
in den See weinend
macht auch die Trauerweide
ihrem Namen alle Ehre
ihr Schopf friert 
im tauenden Wasser
wer sieht was?
welche Perspektive besticht?







Ab und an
treffen Anna und ich uns
zur gemeinsamen Fotostrecke
und zum krönenden Sonntagscafe mit Torte
hie wie dort inspirieren wir uns
und testen einander die Cameras
die Blickwinkel
und fotografieren die Torten und uns auch






Anna veröffentlicht ihre Fotos bei

https://www.facebook.com/greenbikeproduction 

Samstag, 17. Februar 2018

BERLIN Tiefwerder


Ist der richtige Ort immer woanders?
Muss ich verreisen, um zu wandern?
NÖ!

 



Wenn ich wandern will,
muss ich nicht reisen.
Wenn ich wandern will,
kann ich in Berlin so viel unbekannte Orte suchen,
von einem Kiez in den anderen wandeln,
mir völlig fremde Bezirke raussuchen,
mit dem Finger blind auf die Stadtkarte zeigen,
es gibt für mich als Berlinerin so viele fremde Stadteile,
dass es eine Freude ist loszumarschieren.
Ich liebe nichts so sehr, wie Berlinbesuche von außerhalb, dann lebe ich zu Hochform auf und merke immer wieder, wie sehr ich diese Stadt zwar kenne, aber immer noch selber Neues entdecke. Und ich liebe Berlin.
Heute wollte ich mal den Ort aufsuchen, an dem meine Liebste ihre Kindheit verbracht hatte. In alten Papieren hatte ich Hinweise gefunden und aus Erzählungen erinnerte ich Namen. Also plante ich handfest mit Karte, ohne googlemaps, dafür mit BVGPlaner, und ich nahm eine richtige Kamera aus dem Nachlass mit.
Ich lernte einen Stadtteil kennen, von dem ich nicht einmal eine Ahnung hatte. Eine kleine Havelinsel mit Brückenanbindung und der Zugehörigkeit zu Spandau, einem Aussenbezirk. Die Berliner sagen, Spandau ist BEI Berlin und die Spandauer fahren NACH Berlin. Wenn sie sagen, sie fahren in die Stadt, dann meinen sie Siemensstadt und das liegt zwar schon hinter den Brücken aber ist immer noch VOR Berlin. Es ist ein liebevolles Schlammützel zwischen Spandauern und Berlinern. Als es noch die Mauer gab, war Spandau eben ein Erholungsgebiet. Es war für uns selbstverständlich in der Spree und in der Havel schwimmen zu gehen. Aber in Tiefwerder waren wir, also meine Familie nie.
Tiefwerder ist 200 Jahre alt, liegt als Dorf mitten im Havelstrom und war der Lage nach ein Fischerort. Heute gibt es das Dorf, und rundherum steht die gesamte Landschaft unter Naturschutzgebiet. Die Natur bleibt unberührt, auf einem Großteil des Geländes leben Wasserbüffel, unzählige Wildschweine und Wild, viele Vogelarten, Biber überall Wasser, Schifffahrt, alte Häuser,  es ist ein altes Kleinod Paradies. Und genau so hatte es mir meine Freundin immer beschrieben. Sie konnten als Kinder ohne Aufsicht in wilder Natur angeln, spielen, schwimmen…das Leben fand für alle draussen statt.
Wir waren dort nur einmal vor 35 Jahren. Als wir einander unsere Herkunftsorte zeigten. Es wird für mich ein neues Ausflugsziel. Ein Anfang ist gemacht. Übrigens ist Tiefwerder im Winter einer der wenigen Orte in Berlin, die keine Gastronomie aufweisen. Deshalb hatte ich mir Picknick gemacht und es gab wunderbare Bänke, um sich niederzulassen und die Stille ebenso zu genießen wie die freie Aussicht auf Wasser oder Landschaft. Da hat die Kälte gar nicht gestört.


















Samstag, 10. Februar 2018

SPAZIERGÄNGE der Schlosspark


Ins Blaue hinein laufen
bei Eiseskälte der Sonne den Schneid abkaufen
Engel entdecken, wo sie schon immer standen
Kandelaber trumpfen in die Sonne auf
Schlusskuppeln blitzen gegen den preussischblauen Himmel
Berlin ick liebe Dir

Freitag, 9. Februar 2018

Engel? Engel!






Engel? Engel!

An Ihrer Existenz zweifelte ich nie. Ich war mir eines Tages unsicher, ob einer von ihnen oder überhaupt welche um mich wären, ob sie Anteil nahmen an meinem Leben, ob sie ihren Einfluss geltend machten, ob sie bei mir DA waren.
In meinem Morgengebet sprach ich in den lebendigen Raum hinein meine Bitte, mir Zugang zu Ihnen zu gewähren, ich bat die göttliche Welt um ihre Unterstützung.
Am nächsten Tag feierte ich meinen 62zigsten Geburtstag. Zwischen meinen Glückwünschen fand sich ein Gruß einer Freundin mit den musizierenden Engeln des Chorgestühls des Erfurter Mariendoms.  Sie schrieb mir die Begleitung dieser Engel fürs nächste Lebensjahr zu. Sie würden mir zur Seite stehen.
Am Abend diesen Tages wurde ich von einer anderen Freundin zum Essen eingeladen. Plötzlich fiel ihr der Kochlöffel aus der Hand, als hätte ihr jemand den Ellbogen geschubst, es sah aus wie ein Schabernack ohne Täter. Sie lachte und sagte: „ das ist wieder dieser Engelhumor.“ Als ich stirnrunzelnd nachfragte, erklärte sie mir, daß Ihr Schutzengel sie manchmal neckt, wenn sie aufgeregt und etwas hektisch wird. „ Dann stößt er mich ein wenig an.“ Dann nahm sie mich mit in ihr Wohnzimmer und zeigte auf einen Engel im Fenster. Den hatte sie am Vorabend auf der Strasse gefunden. Er war aus Plastik und eine Lichtdiode ließ ihn in zerfließenden Farbwechsel erstrahlen, wirklich köstlich kitschig.
Ich lachte laut auf und erzählte ihr von meinem Engelswunsch. Da rezitierte sie auf Italienisch das Angelus Gedicht, in dem der von Gott befohlene Schutzengel in all seinen Segnungswünschen angerufen wird. Sie selbst flicht dies immer wieder in ihre Rosenkranzgebete ein.
Doch, dies war ein besonderer Geburtstag.
Beim Niederschreiben dieser Geschichte erinnerte ich mich, dass meine Eltern mir vor vielen Jahren einen Weihnachtsengel schenkten. Von meiner Liebsten erhielt ich einen Rosenquarzengel. Einen Handengel aus Bronze finde ich nicht mehr, ich habe ihn vermutlich verschenkt.
Vorhin habe ich den Kühlschrank abgetaut. Als alles wieder sauber und gereinigt war und ich mit dem Rücken zu ihm stand, ging lautlos die Tür auf. Das geht normaler Weise nicht und ist auch noch nie passiert. Ich lachte und sagte sehr laut: „ hört auf mit diesem Blödsinn, ich habe es verstanden, ihr seid hier. Macht die Tür wieder zu.“ Genauso geräuschlos schloss sich die Tür.
Ein wenig unheimlich war mir schon.
Engel? Engel!