Schönheiten im Alltag

Schönheiten im Alltag

Dienstag, 7. Januar 2014

STERNSINGER






Sternsinger

Gestern standen sie vor meiner Tür. Die drei Könige aus dem Morgenland. Stimmt nicht, eine Königin und zwei Könige.
Ymes, Sema und Peter…das waren die, die ich wieder erkannte. Verkleidet. Phantasievoll und schwarz angemalt und aus tiefen Märchenstraßen zu uns herabgeworfen. Durfte ich sie erkennen? Woran erkenne ich, ob jemand nicht mehr an den Weihnachtsengel glaubt. Ich wusste gar nicht, dass sie der katholischen Gemeinde angehörten.
Ich öffnete auf ihr Klingeln, dreimal kurz, der Code in unserem Haus und schaute baff erstaunt auf sie.
Hatte ich zuvor noch nie erlebt, Sternsinger.
Ich freute mich.
Mensch, dass Ihr bei mir vorbeikommt, finde ich ja klasse. Ich bin aber nicht katholisch, warnte ich vor, so nach dem Motto-, ihr müsst mir jetzt alles erklären, was ihr von mir wollt oder was ihr tut.
Mensch Ute, wir wollen Deine Wohnung segnen und dass Du Frieden hast.
Schreibt Ihr jetzt diese Zeichen an meine Tür?
Nö.
Sammelt ihr Geld?
Nö.
Sondern?
Wir wollen zu Dir rein.
OKIDOKI, immer rein.
Ohne Worte und Erklärungen zogen sie ihre Schuhe aus, ruckelten ihre Socken zurecht und zogen siegesgewiss ins Wohnzimmer, den Weg kannten sie.
Saft, Kekse?
JAAAA
Tisch gedeckt, hingesetzt, Sofa, Stühle, ganz relaxed.
Sema, die Königin holte ein Papier aus ihrem Beutel und faltete es auseinander.
Wir haben hier einen Plan. Und da möchten wir Dich raufsetzen. Wir wissen, dass Du viel zu tun hast. Aber einmal im Monat hast Du doch bestimmt zwei Stunden Zeit, oder?
Wie eine kleine Versicherungsgöttin hatte sie mich mit dieser halbbejahenden Frage schon fast ganz auf ihrer Seite.
Wir sammeln kein Geld. Wir haben im Kindergottesdienst beschlossen, dass wir den neuen Aussiedlerkindern in unserem Heim Zeit schenken wollen. Deutsch lernen, Lieder singen, spazieren gehen, die Stadt zeigen…und da kommst Du ins Spiel. Wir dachten dabei daran, dass Du mit ihnen im Sommer einmal ins Schwimmbad gehst und na und im Winter in Zoo? Oder Aquarium?
Sie hatten sich also an unsere gemeinsamen Unternehmungen vor zwei Jahren erinnert…als sie in den Sommerferien nicht wie alle anderen verreisen konnten und ich sie mehrmals mit zum Schwimmen mitgenommen hatte und einmal in den Zoo.
Gebongt. Aber wieviel seid ihr?
17 Kinder.
Mit siebzehn Kindern kann ich aber nicht alleine losziehen zum Schwimmen, da müssten schon noch mehr Erwachsenen mitgehen.
WIESO?
Naja, da müssen schon noch mehr Leute mit darauf achten, dass niemand ertrinkt oder dass wir auch gemeinsam schön wild sein können und trotzdem noch bekannte Menschen für die Kinder dabei sind.
Können wir da auch wieder son Feuer machen?
Können wir, aber auch dafür sind noch mehr Leute notwendig, dass nichts passiert. Damals waren wir zu sechst und wir waren zwei Erwachsene.
Wir hatten ein kleines Lagerfeuer gemacht, Kartoffeln reingehalten, Marshmellows schmelzen lassen, na das ganze Gedöns.
OKIDOKI, aber du bist dabei?
Yes, Madam, me I am.
Gut, sie rieb sich die Hände, reichte den Zettel weiter, wies die Jungen an, den Vermerk zu machen, krabbelte in ihrem Beutel rum und händigte mir einen Zettel aus, auf dem die Daten des Gemeindetreffens standen und ich außerdem zum ersten gemeinsamen Fest in der katholischen Schule eingeladen wurde.
Mir wurde etwas mulmig, mit der Gemeinde wollte ich nicht so viel am Hut haben. Vier Kinder aus der Nachbarschaft als Freunde zu haben ist was anderes, als plötzlich eine Gemeinde am Arsch.
Die wissen, dass ich nicht katholisch bin?!
Die wissen alles!
Alles?
Das mit Barbara, dass Du den Schlüsseldienst für den Spielplatz hast, dass Du rumzauberst, dass Du tanzt und dass Du viel Quatsch machst.
Woher wissen die das?
Na von uns.
Und dann schicken die Euch zu mir?
Nö, wir kommen alleine hier her, alles andere geht klar.
So, sollen wir jetzt hier noch son bisschen räuchern?
Ja.
Völlig selbstverständlich zog ein Junge ein Räucherstäbchen aus seiner Tasche, zündete es in einer Kerze auf dem Tisch an und so zogen sie wild singend durch meine Wohnung.

Wir holen die Sterne vom Himmel
Wir bringen Liebe ins Haus
Wir wollen Frieden stiften
Dann gehen wir gerne Nachhaus

Sie hüpften und trällerten und ich zog gemächlich hinter ihnen her.
Am Ende umarmten wir uns, naja Sema drückte mich und die Jungs wollten gib mir five machen und dann zogen sie Jacken und Schuhe an und waren verschwunden.

Der Glanz der Sterne blieb 
und das Lied 
und die Freude aufs Schwimmen 
und den Zoo auch.
So sehen Sternsinger aus, so.



1 Kommentar:

  1. Ach, ist das eine schöne Geschichte! Zauberhaft geschrieben....Und so sinnvoll. Sehr geschickt eingefädelt von der Königin und den Königen! Und so toll, daß Du bei solchen Sachen mitmachst! :)

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